Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu

Header Logo Blog

Die Sitzdose

Die Sitzdose wird beschrieben in dem Buch: „Spiele für die Hundestunde“ von Maria Hense, hier die für uns angepasste und ausgeweitete Version

Zunächst einmal: die „Sitzdose“ ist kein Wurfgeschoss, sondern ein Signal für den Hund, sich hinzusetzen.
Wenn ein Hund total aufdreht, wenn es an der Tür klingelt oder Besuch „zum Fressen gern“ hat, füllt man eine Dose mit ganz tollen Leckerchen, auf die man (wegen des Showeffekts: der Hund kann lesen) "Sitz!" schreiben kann.

Die Dose steht am besten gleich neben der Haus- oder Wohnungstür. So kann man jedem, der hereinkommt, das Ding schnell in die Hand drücken (z.B. auch dem Postboten) und wann immer der Hund „loslegt“ , kann man sie zeigen, der Hund "liest", setzt sich, und bekommt dann aus der Dose ein Leckerchen.
Dadurch lernt der Hund: wenn jemand kommt, mach ich Sitz und bekomme dafür eine Belohnung.

Aufbauen sollte man am besten in einer entspannten Situation: Dose zeigen, warten bis Hund sich setzt (falls er so gar nicht von alleine auf die Idee kommt, kann man auch das bekannte Wortsignal geben), click und Leckerchen.

Das kann man dann auch mit Ablenkung üben: ein Familienmitglied kommt zur Tür herein, das Telefon klingelt.... Dose zeigen, der Hund setzt sich, click und Leckerchen.

Dann kann man das auf die Klingel und/oder auf Besuch ausdehnen.
Bei ganz speziellen Fällen muss man nicht zwingend auf Sitz bestehen, sondern sollte sämtliches freundliches Verhalten clickern, das der Hund einer Person gegenüber zeigt, die die Dose in der Hand hält.

Zeitgleich sollte man ein Entspannungssignal (wenn möglich auch über eine Berührung) aufbauen und evtl. ein stopfbares Vollgummispielzeug zum Abregen einführen.
Die Dose bringt eine Gemeinsamkeit zu allen potentiell gefährlichen Fremden: Jetzt ist Trainingszeit.
Sie ist ein deutliches, optisches Signal, dass jetzt nur Gutes passiert.

Die Dose kann jedem in die Hand gedrückt werden, der reinkommt.
Der positive Nebeneffekt: Die Leute bücken sich dann nicht mehr zum Hund runter, denn sie haben was zu tun und finden es sogar niedlich, wenn sich der Hund ganz "von alleine" hinsetzt.
Und noch ein toller Nebeneffekt: Besucher finden es supertoll, wenn Hundi lesen kann (sofern man "Sitz" auf die Dose schreibt und Liebling sich tatsächlich hinsetzt beim Anblick der selben).

Wichtig:
Bei Hunden, die nur überschwänglich reagieren und Fremde eigentlich mögen, ist die Dose ein gutes Mittel, die erste Aufregung zu kanalisieren. Da trainiere ich auf ein Sitz hin.

Wenn der Hund freundlich und einfach nur ungestüm ist, clickt der Halter und füttert der Besuch aus der Dose.

Bei Hunden die richtig Angst vor Fremden haben, ist die Dose eine Art Sicherheitssignal. Da trainiere ich am Anfang gar nicht auf ein Sitz, sondern nur auf "so freundlich wie möglich verhalten".
Und dann füttert auch nicht der Fremde, sondern Frauchen. Aber: NICHT aus der Dose, sondern aus eigenem Vorrat, die Dose ist wirklich ausschließlich für den Besuch.

Als „Motivationshilfe“ der Bericht der Trainerin, es geht um eine junge Terrierhündin, die jeden „angefallen“ hat, der ins Haus kam :

„Frauchen hat geübt.
Als ich vor ein paar Tagen zum zweiten Mal zu Besuch war, kam der Hund gleich angelaufen als sie merkte, dass ich die Dose in die Hand gedrückt bekommen habe. Die Dose ist quasi ein Zeichen für "Trainingsmodus".

Wir haben dann in der zweiten Stunde unter größerer Ablenkung geübt, z.B. habe ich an der Haustür geklingelt. Das funktionierte dann auch schon ganz gut. Zwischendurch haben wir viele Entspannungspausen gemacht, damit der Wuffel nicht so hochfährt und weiter lernen kann.

Und dann kam der Postbote...mit so einer tollen Reaktion der kleinen Maus hatten wir gar nicht wirklich gerechnet, weil der so plötzlich da war und Frauchen dann natürlich auf einmal Stress hatte. Aber die Kleine war cool. Nur der Postbote war etwas überrascht als wir ihm kurzerhand die Dose in die Hand gedrückt haben.“

Falls ihr (noch) nicht mit clicker arbeitet, funktioniert es auch mit einem möglichst immer gleichen markerwort: feiiiin, supiii, priiima o.ä.


 

Sonja MeiburgSonja Meiburg
ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig. Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule ( www.hundeschule-holledau.de  ) und seit kurzem auch auf der Videoplattform www.hey-fiffi.com  weiter. Seit fast 20 Jahren ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.

Sonja ist Mitglied der ersten Stunde der Hundetrainer-Gemeinschaft „Trainieren statt dominieren“ und Initiatorin der Aktion „Tausche Stachelhalsband gegen Training“, für die sie den dogs-Award erhalten hat.

Außerdem ist sie Mit-Autorin des Buchs „Leben mit Hunden – gewusst wie“. Sie ist bekannt aus der Sendung „Zeit für Tiere“ im bayrischen Rundfunk und als Beraterin hinter der Kamera der ZDF-Doku „Das geheime Leben unserer Hunde“.

Im Cadmos-Verlag ist ihr Buch „Anti-Giftköder-Training“ erschienen, das in verschiedenen Fachzeitschriften als „sehr praxisnah“ und „wertvoll“ gelobt wird.