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Aufbau Sicherheitsort/Ruhezone

Was ist ein Sicherheitsort/ eine Ruhezone?

Die Ruhezone ist ein Schutzraum, den der Hund selbstständig aufsuchen und verlassen kann.

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In diesem Bereich passiert ihm nie etwas Unangenehmes und er kann aktiv über Kontakt oder nicht Kontakt entscheiden.
Ein Hund soll darin Ruhe finden, Schutz vor Überforderung, tiefen Schlaf und Privatsphäre ohne sich ausgeschlossen zu fühlen.
Er kann dort schlafen, beobachten und sich zurückziehen. Der Hund entscheidet dort selbst wer den Ort betreten darf, ob er allein sein möchte oder nicht. Er wird nicht gestreichelt, wenn er es nicht anzeigt.
Besucher lassen ihn in Frieden, Kinder und andere tierische Mitbewohner auch.
Alles riecht vertraut, der Ort hilft um fest zu schlafen, mit Angst umzugehen, oder sich bei Stress selbst zu beruhigen. Es ist ein Nest, eine Höhle, ein eigenes Zimmer. Ein Ort an dem sich viele beängstigende oder stressige Situationen besser aushalten lassen. Ein Platz zum Kraft tanken. Ein eigener Raum.

Box 4Für wen eignet sich eine Ruhezone?

  • Für unruhige Hunde
  • Für Hunde in lebhaften Haushalten
  • Für Hunde im Mehrhundhaushalt (da bitte je nach Beziehung der Hunde einzeln aufbauen)
  • Für Hunde die nicht gut allein bleiben können
  • Für unsichere/ängstliche Hunde
  • Für frisch eingezogene Hunde
  • Für Hunde mit Schwierigkeiten bei Besuch
  • Für Hunde im Büro oder auf Arbeit
  • Für Hunde mit Handicaps
  • Für Hunde mit hoher Individualdistanz

Für einfach jeden Hund

Was brauche ich dafür?

  • 2 identische Liegekissen, Decken, Matten – eben Untergründe
  • 1 festen Ort / eine Box
  • Decken zum Abhängen einer Box für mehr Höhlenfeeling

Falls Korb oder Box: die richtige Größe:

Der Liegeplatz sollte so groß sein, dass der Hund sich vollständig in alle Richtungen ausstrecken kann:
→ Das heißt: Länge messen (Schnauze bis Kruppe + 10cm)
→ In einer Box sollte der Hund mit gestreckten Beinen stehen und er sollte sitzen können
→ Türen oder Begrenzungen sind nicht nötig

Box: welche ist am besten geeignet?

Grundsätzlich sind Sicherheitsorte nie verschlossen! Höhlencharakter ist aber Spitze! Sie werden bei richtiger Konditionierung freiwillig aufgesucht.
Bitte nicht zum Aushalten zwingen!

Bewährt haben sich stabile Boxen, die gut belüftet sind. Dementsprechend sind vor allem Alugitterboxen oder Gitterboxen geeignet.
Reine Körbchen oder Liegedecken brauchen länger für den Aufbau, da sie sehr vielen Reizen gegenüber durchlässig sind.

  • Stofffaltboxen bieten für einen schnellen Aufbau oft nicht genug Stabilität, da ihre Wände sich nicht zum Anlehnen eignen
  • Vollplastiktransportboxen/Flugboxen sind schlecht belüftet, schnell zu warm u kippen beim Reinschmeißen meist
  • Gitterboxen sollten so präpariert werden mit Polsterung u oder Klebeband, dass sie beim Betreten nicht klappern
  • Aluboxen halten Feuchtigkeit durch starkes Speicheln oder hin und wieder ein paar Tropfen Urin nicht stand

Trotzdem geht der Aufbau in Boxen oft deutlich schneller als in einfachen Liegekissen, da die Außeneinflüsse minimiert werden.

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Wie wird es gemacht?

Der richtige Ort

Es sollte ein Ort im Haus/in der Wohnung sein, wo der Hund euch in seiner Nähe wahrnehmen kann. Es muss nicht unbedingt Sichtkontakt bestehen, aber es sollte nach euch riechen u der Hund sollte euch hören können.
Das erleichtert den Aufbau und verkürzt die Konditionierungszeit.

Grundsätzlich funktioniert aber jeder Ort, der nicht ständig Wachsamkeit triggert. Das heißt eine Zimmerecke, unter dem Schreibtisch, hinter der Couch… Alles ist möglich, solange davor nicht ständiges Rumlaufen herrscht und Rundumblick möglich ist. Ein Korb mit Blick in den Garten oder unter einer oft benutzten Treppe, oder direkt an der Eingangstür ist also eher ungünstig.

Die Außeneinflüsse sollten möglichst gering sein. Wichtig ist aber, dass der Platz entweder zur Entspannung schon genutzt wird oder ganz neu, also ohne negative Belegung.
Definitiv sollte aber kein Wachposten des Hundes dafür genutzt werden!

Der Aufbau

Es ist alles gar kein riesiges Drama oder massives Training nötig. Wir Hundehalter müssen uns nur etwas disziplinieren was unseren Ablauf im Alltag angeht und Geduld haben.

Grundsätzlich kann man nämlich nicht genau sagen wie lange es dauert bis die Ruhezone akzeptiert wird, das hängt vom Hund ab. Fakt ist, es funktioniert IMMER, wenn keine Fehler gemacht wurden.
Hunde mit Schlafdefizit oder Neuankömmlinge und junge Hunde nehmen die Plätze meist sehr schnell an. Durchschnittlich braucht es etwa 1 – 4 Wochen dazu.

Hunde mit direkten Ängsten zeigen die Akzeptanz und Sicherheit des Ortes meist erst bei Notwendigkeit an. So kann es bei einem reaktiven Hund sein, dass er monatelang scheinbar kein Interesse hat und Silvester liegt er plötzlich nur noch in der Box. Oder ein selbstbewusster Straßenhund ist spontan nach Wochen bei Gewitter dort zu finden.

Folgendes ist zu tun:

  • Mahlzeiten/Futter gibt es nur noch in oder direkt am Eingang des Ruheortes, immer!
  • Alle Leckerlis die täglich zusätzlich gegeben werden, findet der Hund nur noch in der Box. Bitte zu unterschiedlichen Zeiten.
    Kauartikel, Kong, Hundeeis …. Alles erstmal in die Ruhezone.
    Achtung: Rausschleppen ist ok. Aber der Hund muss lernen der Anfang alles Angenehmen ist in der Ruhezone
  • Alle Spiele und Beschäftigungen beginnen in der Ruhezone
    Euer Hund bringt Spielzeug an? Klasse, der erste Wurf geht in die Zone! Auch hier gilt, Rausschleppen ok, Anfang dort. Aber: Spielzeug sollte nicht grundsätzlich in der Box liegen. Das Spielsollte nur dort anfangen, nicht darin stattfinden.
  • Ist der Hund in seiner Ruhezone wird er nicht angefasst, auch nicht gestreichelt.
    Er soll selbst entscheiden dürfen, wann er Kontakt möchte.
    Das heißt: liegt die Pfote oder der Kopf außerhalb der Zone ist das Freigabe zum ruhig streicheln.
  • Sauber gemacht wird nur wenn der Hund es sieht.
    Es ist SEIN Bereich, er darf kontrollieren wer sich da aufhält und etwas tut.
    Nehmt ihr eine Decke oder ein Kissen raus, wird sofort identisch ersetzt.
    Gewaschen werden die Sachen ausschließlich mit Wasser. Der Geruch des Hundes muss unbedingt in den Unterlagen verbleiben
  • Kinder, Besucher und andere Haustiere sind von der Ruhezone fernzuhalten.
    Auch wenn der Hund nicht drin ist! Er entscheidet wer in sein „Zimmer“ darf.
  • Der Hund wird nicht in die Ruhezone geschickt, nur weil wir glauben, er braucht eine Pause. Dies wäre eine Strafe und würde den Sicherheitscharakter des Ortes zerstören
  • Der Hund wird nicht direkt eingesperrt nach Betreten des Ortes.
    Türen zu machen oder Schutzgitter schließen ist völlig ok, aber bitte erst wenn der Aufbau sitzt und der Hund darin entspannt ist!
  • Na klar dürft ihr den Hund loben, wenn er die Zone aufsucht! Ruhig und freundlich. Ihr dürft auch darauf hinweisen, wenn ihr dort was Tolles reingetan habt.

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Die häufigsten Fehler

  • Unterlagen werden beim Reinigen nicht ersetzt.
    Da Hunde Farben und Gerüche und entsprechend Veränderungen deutlich wahrnehmen können, und gerade Angsthunde und HSH allgemein stark auf Veränderungen reagieren, macht das misstrauisch. Außerdem wäre es fatal, wenn der Hund die Box in Not aufsucht und plötzlich ist nichts Vertrautes mehr zu finden…
  • Leckerlis werden immer zur selben Zeit hinterlegt.
    Hunde können Zeitabstände riechen. Die Ruhezone wird in dem Fall nur regelmäßig als Futterplatz untersucht.
  • Untergründe werden mit Zusätze gewaschen.
    Der Hund erkennt einen Fremdgeruch, das verunsichert. Außerdem schütten Hunde über ihre Hautmarkierungen und kleinste Tröpfchen Urin Serotonin und Dopamin aus. Beide Hormone wirken beruhigend und machen glücklich. Werden sie übertüncht oder rausgewaschen, fängt man bei Handicap-, Angst-, oder Neuhunden direkt wieder von vorn an.
  • Streicheln in der Ruhezone
    Wie soll der Hund sich sicher fühlen, wenn er auch da drin bedrängt wird?
  • Reinigen der Box ohne Hund
    Er weiß es war jemand dort. Er kann es riechen. Führt oft zu deutlich längeren Aufbauzeiten und kann in der Akzeptanz zurück werfen.
  • Falsche Erwartungshaltung der Hundehalter.
    Sie liegen nicht permanent nur noch dort, aber suchen den Ort dann auf, wenn es nötig ist,

Versucht es!

Es ist nicht allgemeingültig, es gibt auch andere Ansätze. Aber dieser hat sich bewährt!
Gebt euch Zeit! Fragt wenn ihr etwas nicht versteht!

Viel Erfolg und zahlreiche ruhige Momente.


Sophie Freudenberg
Sophie Freudenberg (FB: Elodie Ithiria)

Ich  bin 34 Jahre alt und lebe mit meinen 3 Kindern und 3 Herdenschutzhunden außer Dienst im östlichsten Sachsen.
Seit ich 14 Jahre alt bin, bin ich aktiv im Tierschutz (In- und Ausland) unterwegs. Seit mittlerweile 5 Jahren, betreue ich ausschließlich Herdenschutzhunde und Angsthunde, privat als Pflegestelle oder Gnadenplatz und im Ehrenamt im Tierschutzverein Pirna u. Umgebung e.V.
Ich habe dazu zahlreiche Seminare besucht und vor allem mit Selbstreflexion und Empathie Erfolg gehabt. Auch für das Veterinäramt und Privatpersonen bin ich unterstützend im Bezug auf Herdenschützer unterwegs. Ich freue mich immer, wenn ich Menschen zeigen kann, wie einfach und effektiv positives Training sein kann.